Event „Hör — Genuss“

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Werke von Bach, Fauré und Chiti

Am Sonntag den 18. Oktober 2020 findet im Restaurant Schattbuch das Event „Hör — Genuss“ statt.

Genießen Sie ab 19.30 Uhr ein 4-Gang Menü mit Weinbegleitung. Ab 17.00 Uhr erwartet Sie das unten stehende Programm. Preis mit Vorauskasse: 129,- €/Person.

Weitere Informationen auch auf der Homepage des Restaurant Schattbuch.

Wir bitten um Reservierung unter +49 7520 953788 oder events@schattbuch.de.
Der Corona Sicherheitsabstand und die gängigen Hygienevorschriften sind bei dieser Veranstaltung gewährleistet!

Transportierte Emotion

„Unsere Sehnsucht nach reproduzierbarer Emotion ist riesig“

In der kleinen Manufaktur Heed in Ungarn werden Lautsprecher gebaut, die mehr können sollen als nur Klang wiedergeben – hier setzt man auf die Wiedergabe von Emotionen (Gefühlen)

Von Christine King

Zsolt Huszti liebt Rachmaninow. Stundenlang kann er ihn hören. „Da steckt soviel drin in dieser Musik“, sagt der 56-jährige Ungar und gerät ins Schwärmen. „Ich tauche da richtig ab.“ Kaum ein Komponist sei so emotional wie der Russe, und kaum einer berühre ihn so sehr. Schubert mag er auch, besonders seine Lieder, auch Alte Musik und Jazz. Immer wieder geht er der studierte Elektrotechniker zu Livekonzerten in Budapest, aber ihm ist vor allem wichtig, dass er daheim im Wohnzimmer seine riesige Sammlung von LPs und CDs anhören kann – und zwar nicht nur in allerbester Tonqualität, sondern obendrein mit dem Gefühl, wieder live dabei zu sein. Und deshalb tüftelt er seit fast 40 Jahren an den perfekten Lautsprechern herum. „Ein Lautsprecher muss Emotionen übertragen können“, sagt er lapidar, „und nicht bloß Klang.“

Mit Attila Olah hat er einen jungen Kollegen an der Seite, der ähnlich tickt wie er selbst. Der 36-jährige Diplom-Elektroingenieur, der auch Produktdesign studiert hat, hört gleichfalls stundenlang Musik. „Weniger Klassik“, lacht er, „mehr Heavy-Metal und Jazz.“ Aber das Musikempfinden sei bei ihnen beiden gleich, so Olah. „Und vor allem in dem, was wir von einem Lautsprecher erwarten, sind wir ähnlich.“ Und das ist eben Emotion. Dabei ist es im Grunde egal, ob sie von Jazztrompetern, einer Heavy-Metal Rockband, einer Solosopranistin oder einem Symphonieorchester ausgeht. Aber darin sind sich die beiden Ungarn einig: „Klassische Musik und Jazz spielen sich auf einer viel komplexeren Ebene ab als die meiste Popmusik.“ Und die meisten Konkurrenten wollten eben ein möglichst breites Feld abdecken. Das sei durchaus legitim. „Lautsprecher für alles“ wären deshalb beliebt. „Aber gut für alles, ist gut für nichts“, meint Zsolt Huszti, der von anderen als hoch musikalischer Mensch bezeichnet wird. Klassik- und Jazzhörer hätten einfach andere Ansprüche.

Die beiden sind Geschäftsführer der Firma Heed Audio, wo mit neun Mitarbeitern am Stadtrand von Budapest auch Verstärker und CD-Spieler entwickelt und produziert werden, die – wie es auf den Webseiten vieler Hifi-Händler heißt – „durchaus als Geheimtipp gehandelt werden können.“ Für Attila Olah ist klar: „Nach dem Studium kannst Du bestenfalls gut funktionierende, messtechnisch einwandfreie Verstärker entwickeln, musikalisch klingelnde und emotional fesselnde Elektronik, geschweige denn Lautsprecher, wohl kaum.“

Alpar Huszti, Zsolts Bruder, weiß, was die beiden von anderen Entwicklern unterscheidet. „Zsolt geht wie ein Instrumentenbauer ran, bei ihm ist der Lautsprecher ein Instrument.“ Dabei gehe es neben dem optimalen Resonanzkörper und Dingen wie Abstrahlcharakteristik – 20 Prozent direkt und 80 Prozent über den Raum – auch um Temperatur, Materialbeschaffenheit, optimale Dämpfung und natürlich um Frequenzweichen und Verkabelungen. „Für andere ist ein Lautsprecher bloße Technik, die mittels mechanischer und elektrischer Bauteile, sowie Bauanleitung funktioniert – bei ihm nicht.“ Zsolt könne nach stundenlangem Musikhören plötzlich aufspringen und befinden, „dass am Widerstand noch ein, zwei Prozent geändert werden müssen. Eben wie beim Klavierstimmen.“ Der Unterschied zu anderen Lautsprecherherstellern? „Statt vermeintlich allgemeingültiger Antworten in Form von Produktkonzepten, suchen wir nach neuen, nicht selten ketzerischen Fragen,” sagen die beiden Musikliebhaber, „und gehen nie den einfachen Weg. Wir sprengen verkrustete Denkweisen, und das stößt oft auf Unverständnis und Ablehnung bei den mit Schulbuchvorlagen arbeitenden, nur auf Technik fokussierten Ingenieuren der Hi-Fi-Branche.”

Musikmachen bzw -hören sei die Grundlage für guten Lautsprecherbau, der ja als Passivteil funktioniere. Sagen die beiden Entwickler, die das eigene Musizieren allerdings bereits in der Jugend aufgegeben haben. „Und trotzdem wissen wir, worauf es ankommt.“ Sie wissen, dass der Schall nicht direkt aufs Ohr prallen sollte, sondern besser von allen Seiten kommt – wie es auch der Akustikprofessor Eckhard Kahle, der selbst Bratsche spielt und beim Bau großer Konzertsäle in Deutschland immer wieder als Akustikberater tätig ist, immer wieder betont. Die Chassis, also die Tief- und Hochtöner, strahlen bei Heed-Lautsprechern mit einer sehr breiten Charakteristik ab. Sie sind in einem 45-Grad-Winkel im Gehäuse eingebaut. „Das ist perfekt, denn Direktstrahler schreien dem Zuhörer immer ins Gesicht. Wir wollen aber keine Megaphone bauen, sondern Raumstrahler, die vornehmlich indirekt abstrahlen.“ Und dass es in normalen Wohnzimmern klingen soll wie im Konzertsaal, ist ihnen deshalb ein großes Anliegen.
Natürlich lässt sich über guten Klang vortrefflich streiten. Weit über 1000 Firmen tummeln sich in der HiFi-Szene und bieten ihre Produkte an. Wenn die anderen beiden Komponenten – also Verstärker und CD-Player – nicht gut sind, reißen es auch gute Lautsprecher nicht raus, sagen Experten. Und wenn die Boxen im Raum falsch platziert seien, ebenfalls. Wo also die Boxen letztendlich stehen, sollte auch von einem Profi entschieden werden, denn „Klangcharakter und Präzision der Musikwiedergabe werden davon deutlich beeinflusst,“ sagt Zsolt Huszti.
Und dann spricht er vom Wein, der in der Toskana getrunken ganz anders geschmeckt hat als nach dem Urlaub zuhause. Das Phänomen kenne vermutlich jeder. Vergleichbar sei es mit CDs, die man direkt nach Konzerten erwirbt. „Hört man sie daheim, muss man fast weinen, weil es ganz anders klingt als grade eben noch im Konzertsaal.“ Warum das oft so ist, und warum das gerade bei klassischer Musik immer wieder vorkommt, ist dem Lautsprecherexperten Huszti klar. „Bei der Wiedergabe fehlen oft die Emotionen.“ Und wer grundsätzlich nicht in Konzerte gehe, könne das nicht verstehen. Natürlich sei ein guter Tonmeister bei der Aufnahme wichtig. Aber genauso wichtig sei eben eine perfekte Reproduktion.
Zsolt Huszti geht sogar noch weiter. Bei den Lautsprechern sei es eben wie bei Profimusikern. „Der eine reißt dich mit, der andere lässt dich kalt, obwohl beide exakt die gleichen Noten spielen.“ Nach diesem Mitgerissenwerden sind die Ungarn seit Langem auf der Spur. „Unsere Sehnsucht nach reproduzierbarer Emotion ist riesig.“ Dass Musiker das im Alleingang bringen, macht sie neidisch. „Unsere Technik muss also so perfekt sein, dass die Lautsprecher das auch schaffen.“ Und deshalb haben sie daran herumgetüftelt, stunden-, monate-, jahrelang, in fast jeder Minute ihrer Freizeit. Heed-Lautsprecher würden bereits „den Klang interpretieren“, so Attila Olah. „Wir hören in unseren Köpfen, wie es klingen muss und probieren einfach solange herum, bis es passt.“ Das machen sie oft zusammen, gemeinsam hören und gemeinsam interpretieren. Woanders arbeiten mehrere Techniker zusammen, werten Messdaten aus und produzieren diese auf Datenträger. „Ein seelenloser Job“, finden die beiden. Und versuchen, es anders zu machen. In der kleinen ungarischen Firma sitzen also zwei Musikbegeisterte mit dem gleichen Klangverständnis, die sagen: „Es ist fast ein Geheimnis, wie das bei uns ineinanderläuft.“
Als Vladimir Horowitz das erstmal nach 60 Jahren im Jahr 1986 wieder in Moskau gespielt hat, war das ein „wahnsinnig emotionales Erlebnis – so etwas wollen wir hörbar machen.“

Informationen:
www.heedaudio.com, www.dorn-acoustics.com

Ein emotionaler und berührender Abend

Leider machte das Wetter den Organisatoren des Benefizkonzertes zugunsten der Stiftung Valentina im Weberzunfthaus am Sonntag einen Strich durch die Rechnung. Nur wenige Besucher hatten sich durch die Schneemassen gekämpft um Richard Nolte (Querflöte) und Jelena Engelhardt (Harfe) zu lauschen. Die Stiftung wurde von Kurt und Renate Peter ins Leben gerufen, um die häusliche Pflege und intensiv-medizinische Betreuung krebskranker Kinder zu unterstützen, nachdem sie ihre Tochter selbst auf diesem Weg begleitet hatten.

Die Musikauswahl des Abends war emotional berührend, aber nicht sentimental und Flöte und Harfe erwiesen sich als musikalisch und klanglich als perfekte Kombination. Die „Deux Préludes Romantiques“ von Marcel Tounier (1879-1951) zeichneten sich durch ruhiges Fließen, zärtlichen und gedeckten Flötenklang und satte Harmonien der Harfe aus, ein insgesamt sehr sinnliches, sehnsüchtiges Spiel mit Akkorden und Melodien.

Auch „La fille aux cheveux de lin“ von Claude Debussy“ atmete viel Gefühl. Die tiefen Flötenlagen hüllten die Zuhörer sanft ein und schmeichelten dem Ohr. Elegante Töne schlug J.B. Krumholtz (1745-1790) in seiner Sonate für Flöte und Harfe an. Perlend und galant, beschwingt dahineilend entwickelte sich das Wechselspiel von Flöte und Harfe zu einem Netz aus Perlen und Silberfäden, Allegro, Romanze und Menuett verströmten heitere Gelassenheit und auch ein unfreiwilliges Da-capo durch falsch aufgelegte Noten ließ diese Stimmung nicht abreißen: Man konnte sich zurücklehnen und genießen.

Nach einem dramatischen Beginn wechselte das „Larghetto aus der Sonate für Flöte und Harfe von Gaetano Donizetti (1797-1848) zu einer wiegenden Melodie über gebrochenen Akkorden der Harfe, die Motive und Stimmung dicht gewoben zwischen den beiden Instrumenten. Das Allegro dieser Sonate erwies sich als fröhlich tänzelnde Tändelei über einer einfach Nachschlagbegleitung, duftig, humorvoll und spritzig.

Förmlich hingetupft war der Beginn der Sonate für Flöte und Harfe von Nino Rota (1911-1979). Ohne harmonisches Zentrum schwang sich das Stück trotzdem zu einem schwärmerischen Gesang über wogenden Klangfeldern der Harfe auf.

„Der Schwan“ aus dem „Karnelval der Tiere“ von Camille Saint-Saens (1835-1921) war zauberhaft, geradezu magisch schwebte das edle Tier ruhig durchs sanfte Mondlicht, während „Entr’acte“ von Jacques Ibert (1890-1962) sich in kindlicher Freude am Spiel mit Motiven, wechselnden Metren und Akzentverschiebungen berauschte.

Zusammen mit der im Hintergrund laufenden Bilderstrecke aus Valentinas Leben entwickelte die Musik besondere Intensität. Sie fing dieses Leben in all seinen Facetten ein, stellvertretend für so viele andere. Dass so wenige Zuhörer gekommen waren, nahm Renate Peter leicht. Für Valentina, so sagte sie, sei der Winter die schönste Jahreszeit gewesen und sie hätte ihre größte Freude am Schnee gehabt.

Richard Nolte und Jelena Engelhardt verzichteten zugunsten der Stiftung Valentina beim Auftritt auf eine Gage. (Foto: Johannes Rahn / Artikel: Schwäbische Zeitung)